Der Jahreskreis
Bei uns, im Hexentum, gibt es keine feste Religion. Es gibt kein "Du musst aber...". Klar, es gibt das Wiccatum. Aber nicht alle Hexen sind Wiccas. Alle Glaubensrichtungen sind willkommen und werden respektiert.
Dennoch ist dazu zu sagen, dass wir Hexen im Einklang mit der Natur leben und, wie unsere Ahnen, dem Jahreskreis folgen, der sich am ewigen Kreislauf von Mutter Natur orientiert. Dazu gehören bestimmte Feste, die Jahreskreisfeste, auch Hexensabbats genannt, die jeder Hexe wichtig sind. Sie sind uralt und wurden, wie schon erwähnt, bereits von unseren Vorfahren begangen und gefeiert. Das war natürlich VOR der Christianisierung, weswegen sie im Volksmund auch oft "Heidenfeste" bezeichnet werden.
Für unsere Ahnen war es wichtig und vor allem ÜBERlebenswichtig, im Einklang mit der Natur und auch den Jahreszeiten zu leben. Das war notwendig, weil ansonsten ein Überleben kaum möglich gewesen wäre.
Im Folgenden werde ich den Jahreskreis, sprich seine Feste und die Bräuche näher erläutern.
Quelle:
"Der ewige Kreis - dem Pfad der Jahreszeiten folgen", von Pearl Branskaldi, unbezahlte Werbung)
Yule
Man nennt es auch die "Wintersonnenwende". Dieses Fest markiert den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres und wird um den 21.12. gefeiert. Es gilt bis heute als eines der wichtigsten heidnischen Feste, da nun die Tage wieder länger werden und das Licht langsam wieder zurückkommt.
Zu diesem Fest ist es üblich, nochmal in sich zu gehen. Das vergangene Jahr Revue passieren lassen und neue Pläne für das kommende Jahr schmieden. Man feiert gemütlich bei Kerzenschein und gutem Essen mit der Familie. Das Julfest ist, wie Weihnachten, ein ruhiges Fest, das besinnlich und harmonisch begangen wird.
Verehrt werden zu diesem Jahreskreisfest Odin, Thor und Frigg.
Symbole: Julbock, Julbrot, Glühwein
Nach dem Julfest beginnen traditionell die Rauhnächte. Das sind die Tage "zwischen den Jahren". In diesen Nächten soll man nicht vor die Tür gehen und eine Kerze im Fenster brennen lassen. Denn während der Rauhnächte treibt die "Wilde Jagd" ihr Unwesen. Die Kerze dient dazu, ihnen den Weg zu weisen und ihnen zu zeigen, dass man ihnen wohlgesonnen ist.
(Weitere Informationen zu den Rauhnächten findest du in einem separaten Beitrag.)
Imbolc
Es ist der Tag, ab dem das Licht zurückkehrt, es wieder heller wird. Die Natur erwacht so langsam, ersten Knospen zeigen sich und es wird stetig wärmer.
Gefeiert wird dieses Jahreskreisfest am 01.02. und dient der "Reinigung von den Strapazen der dunklen Jahreszeit ".
Imbolc zählte bei den Kelten (unseren Vorfahren) zu den vier Hochfesten des Jahreskreises. Man feierte es im engsten Kreis der Familie, mit vielen Kerzen und gutem Essen. Gemeinsam fertigte man aus Stroh das sogenannte "Brigidskreuz" an, sang Lieder und erzählte Geschichten.
Imbolc steht im Zeichen der dreifaltigen Göttin Brigid, Göttin der Inspiration, Heilkunst und Schmiedekunst, Beschützerin der Neugeborenen und Gebährdenden.
Symbole: Schneeglöckchen, Brigidskreuz, Kerzen
Ostara
OSTARA ist auch bekannt unter dem Namen "Frühlingstagundnachtgleiche" und wird um den 21. März gefeiert.
In dieser Zeit beginnen die Blumen zu blühen, die Natur erwacht und der Frühling ist zurück!
Es ist die Zeit, wenn die Gartenarbeit beginnt. Samen können gesät werden, Pflanzen können gepflanzt werden und Unkraut kann gejähtet werden. Traditionellerweise werden Eier gefärbt oder bemalt und Bäume und Sträucher damit geschmückt, leckeres Essen zubereitet (z. B. das Ostara-Lamm). Man feiert zusammen in der Familie.
Dieser Sabbath steht unter dem Schutz der Göttin Ostara, Göttin der Morgenröte, des Frühlings und der fruchtbaren Erde.
Symbole: Eier, Hasen, Lämmer
Exkurs:
Die Ähnlichkeiten zwischen Ostara und Ostern sind keine Zufälle. Während der Christianisierung fiel es der Christlichen Kirche schwer, "ihre eigenen Feste" durchzusetzen. Aus diesem Grund wurden die Daten und die Traditionen übernommen und umbenannt. Dadurch konnten die Menschen weiterhin ihre Feste begehen, nur unter anderem Namen.
(eigene Gedanken)
Beltane
Das Fest wird auch "Maiabend" genannt und am 30. April gefeiert.
Noch heute werden an diesem Tag Freudenfeuer entzündet. Es wird gesungen, getanzt, getrunken, gegessen und gelacht. Wir stellen eine Birke auf dem Marktplatz des Dorfes auf und schmücken ihn mit bunten Bändern.
All diese Bräuche stammen aus alter Zeit.
Beltane ist eines, der Fruchtbarkeitsfeste im Jahreskreis. Man feiert die Sinnlichkeit und Sexualität.
Hexen wurde nachgesagt, dass sie in dieser Nacht zum Blocksberg (dem "Brocken" in der Mitte Deutschlands) fliegen und dort mit dem Teufel Orgien abhalten. Das ist natürlich Unfug!
Allerdings können wir Hexen Kontakt zu Wesen der Anderswelt aufnehmen, da in dieser Nacht die Schleier zwischen den Welten extrem dünn sind.
Im Hinblick auf die Gottheiten gibt es zu diesem Fest zwei, denen gehuldigt wird. Es sind der Gehörnte Gott (nicht Satan!) und die Göttin. Sie begehen in dieser Nacht "die heilige Hochzeit", bei der sie sich erneut selbst zeugen.
Symbole: Feuer (Lagerfeuer), Phallus, Maibaum
Litha/Mittsommer
Dieses Fest bezeichnet die Sommersonnenwende und wird um den 21.06. gefeiert.
Gerade aus Skandinavien sind uns die großen Freudenfeuer und Feste bekannt.
Die Natur steht in voller Blüte und das Licht ist auf dem Höhepunkt des Seins. Denn Litha ist der längste Tsg und die kürzeste Nachr des Jahres.
Es wird, mit Vorliebe draußen, gefeiert, gesungen, getanzt und gegessen. Man erzählt sich Geschichten, singt Lieder und versucht gemeinsam die Nacht durchzuhalten, um am nächsten Morgen die Sonne willkommenzuheißen und zu feiern.
Dieses Fest steht wieder im Zeichen zweier Gottheiten, des Sonnengottes Baldur (Baldr) und der Sonnengott Sunna (nord. "Sonne").
Der nordischen Sage nach Lenkrad Sunna ihren Wagen, gezogen von zwei Pferden, täglich über den Himmel. So geht die Sonne immer wieder aufs Neue auf und unter.
Lammas/Lughnasad
Dieses Fest ist das erste Erntefest und wird um den 01.08. gefeiert.
Nachdem. Die Natur bei dem Fest zuvor auf dem Höhepunkt ihrer Schöpfungskraft war, steht nun dir "Erste Ernte" an. Lammas bezeichnet den Beginn der Erntezeit.
Man nennt es auch das "Schnitterfest", denn "ohne Schneiden, keine Ernte" und "ohne Ernte, kein Überleben". So war es schon bei unseren Ahnen!
Natürlich können wir heutzutage jederzeit in den Supermarkt gehen und uns versorgen. Doch halte bitte mal kurz inne und mach dir bewusst, was diesed Fest für unsere Vorfahren bedeutete. Wenn dir das bewusst geworden ist, kannst du dir vorstellen, welche Emotionen des Festes sind und immer noch sein sollen.
DANKBARKEIT und LEBENSFREUDE
Im Hinblick auf die Gottheiten gibt es einige zu nennen.
Bei den Kelten waren es Lugh und Anu, während die Germanen eher Sif, Thor, Freyja und Frigg verehrten.
Symbole:
Kornähren, Getreide, Kräuterbündel, Brot
Mabon
Man nennt dieses Fest auch Herbsttagundnachtgleiche (Herbst-Equinox). Gefeiert wird es vom 20.-23.09.
Die Tage werden nun spürbar kürzer, die Natur zieht sich zurück und der Winter beginnt. Auch Mabon steht, wie Lammas, für Dankbarkeit und es ist eines der Erntefeste.
Es ist das Fest der "Letzten Ernte".
Die letzten Erzeugnisse werden aus dem Garten geholt, die letzten Kräuter und das letzte Getreide geerntet.
Was noch in der Natur ist und jetzt noch wächst, bleibt dort. Wir überlassen es der Natur sozusagen als Dankeschön, dass sie uns versorgt hat.
Dieses Fest steht unter dem Schutz des Gottes Mabon, Gott der Freiheit, bei den Kelten und der Göttin Iduna, "Apfelgöttin" und Spenderin des Lebens, im nordischen Glauben.
Symbole: Wein, Kürbis, Apfel, Trauben
Samhain
SAMHAIN stellt für uns Hexen den Abend vor dem Jahreswechsel dar. Es ist quasi unser Silvester, wenn man so will, denn das Hexenjahr geht vom 01.11. - 31.10.
An diesem Fest werden die Ahnen geehrte und es wird ihrer gedacht. Man beschäftigt sich mit dem Tod, der nunmal Teil des Lebens ist.
Wie zu Beltane ist auch an diesem Tag der Schleier zwischen dieser und der Anderswelt extrem dünn und es ist einfacher als sonst, Kontakt zu den Ahnen und den Verstorbenen aufzunehmen.
Doch man muss aufpassen, dass man mittels falscher Räuchermischung, während eines Rituals oder bei Seelenflügen nicht versehentlich jemanden mitbringt, der nicht in diese Welt gehört.
Unsere Vorfahren glaubten, dass an Samhain die Ahnen mit am Tisch sitzen, mit uns essen und zusammen sind. Aus diesem Grund gab es ein Gedeck mehr, das nach dem Mahl beladen wurde und vor die Tür gestellt wurde. So sollten böse Geister friedlich gestimmt und besänftigt werden.
Die Götter waren zu diesem Fest wieder zahlreich. Die Germanen huldigen Odin und Frigg, Freyja und Tyr, den Kriegsgott. Aber auch dir Totengöttin Hel wurde verehrt.
Bei den Kelten wiederum war es vor allem Dagda, der "Gute Gott".
Wir Hexen ehren zu diesem Fest auch Hekate, die Königin der Nacht und Göttin des Schicksals und der Weisheit.
Symbole: Krähen, Raben, Kürbisse, Totenschädel