Heilkräuter aus der Nachbarschaft
Für viele Menschen ist die Kräuterheilkunde ein unbekanntes Gebiet, mit dem man sich nicht auseinandersetzen kann. Schnell wird zu chemisch hergestellten Tabletten gegriffen, denn die hat ja der Arzt verschrieben und "dann müssen sie ja helfen" (keine Bewertung).
Dabei merken sie nicht, dass bereits in direkter Nachbarschaft kleine Helfer wachsen, die bei vielen Beschwerden und Wehwehchen Abhilfe schaffen können.
Auf dieser Seite werde ich Euch einige davon vorstellen.
Seid gespannt!
Löwenzahn (Taraxacum officinales)
Er zählt heutzutage als „Unkraut“ und wird in Gärten und Wiesen entfernt und oft entsorgt.
Dabei ist der Löwenzahn eine einzigartige Heilpflanze und kann bei vielen gesundheitlichen Problemen und Gebrechen helfen.
So kann er beispielsweise eingesetzt werden bei Verdauungsproblemen, Appetitlosigkeit und Störungen des Gallenflusses. Auch auf den Stoffwechsel wirkt er anregend, weshalb er gerne in Frühjahrskuren verwendet wird.
Verwendet werden das ganze Kraut (die oberirdischen Teile), die Blüte und/oder die Wurzel.
Anwendungsformen:
1.) Tee (blühendes Kraut und Wurzel)
2.) Sirup (Blüten)
3.) Tinktur (Wurzel)
4.) Frischpflanzenpresssaft (Kraut)
5.) Löwenzahnwein (Wurzel)
6.) Umschläge (frische, zerkleinerte Wurzel)
Die frischen Blätter können außerdem im Salat verspeist werden.
Du siehst, dieses Kraut ist total vielseitig!
Also halte beim nächsten Spaziergang mal die Augen offen!
WICHTIG:
1.) Wenn Du das Kraut sammeln willst, achte bitte darauf, dass es NICHT in der Nähe der Straße, von chemisch behandelten Ackern oder ähnliches wächst.
2.) Es handelt sich beim Löwenzahn um einen Korbblütler. Ist also bekannt, dass Du gegen diese Pflanzen allergisch bist – FINGER WEG!!!
3.) Das selbe gilt, wenn Du Gallensteine hast, an einem Darmverschluss oder Verschluss der Gallenwege leidest – FINGER WEG!!!
Gundermann (Glechoma hereaceae)
Ein weiteres Kraut, das eher unbekannt ist und daher oft dem Rasenmäher zum Opfer fällt, ist der Gundermann (auch Gundelrebe genannt). Es ist eher unscheinbar und nicht so leicht zu entdecken. Doch, wie der Löwenzahn, ist auch der Gundermann vielseitig einsetzbar.
So wirkt dieses Heilkraut anregend auf Stoffwechsel und Verdauung. Bei Bronchitis kommt seine schleimlösende Wirkung zum Einsatz; seine zusammenziehende bei Durchfallerkrankungen.
Aber auch eitrige Haut-/Schleimhauterkrankungen gehören zum Anwendungsgebiet der Gundelrebe.
Gesammelt wird das blühende Kraut im Frühling. Es kann auf dem Brot, im Salat oder in der Suppe verzehrt werden.
Doch natürlich gibt es auch die üblichen Anwendungsformen:
- Tee
- Wundkräuteröl
- Badezusatz
- Frischpflanzenpresssaft
WISSENSWERT:
Dass der Gundermann bei eitrigen Verletzungen hilft, steckt schon im Namen. „Gund“ ist das althochdeutsche Wort für „Eiter“.
WICHTIG:
Wenn Du das Kraut sammeln willst, achte bitte darauf, dass es NICHT in der Nähe der Straße, von chemisch behandelten Ackern oder ähnliches wächst.
Brennnessel (Urtica dioica/urens)
Wer kennt es nicht…
Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir alle als Kinder mindestens einmal in einen Brennnesselbusch gestürzt sind (mir passierte das andauernd!).
Sie wird eher gemieden und aus Gärten entfernt. Doch auch die Brennnessel ist eine tolle Heilpflanze!
So ist der Tee aus Brennnesselblättern nicht nur eine großartige Haarkur, sondern wirkt auch super gegen Harnwegsinfektionen und Prostatabeschwerden. Bei rheumatischen Beschwerden findet sie auch Anwendung. Außerdem kann man mit ihrer Hilfe die Regelblutung regulieren.
Sie ist ja so vielseitig!
Gesammelt werden die Samen, das Kraut und die Wurzel, die zu den üblichen Darreichungsformen verarbeitet werden können:
1.) Tee
2.) Abkochung
3.) Frischpflanzensaft
4.) Tinktur
Zudem schmeckt die Brennnessel auch als Gemüse oder Suppe hervorragend.
Probiere es mal aus!
WICHTIG:
1.) Wenn ihr das Kraut sammeln wollt, dann achtet bitte darauf, dass es NICHT in der Nähe der Straße, von chemisch behandelten Ackern oder ähnlichem wächst.
2.) Zum Sammeln tragt ihr bitte Handschuhe, damit ihr euch nicht „verbrennt“. Normalerweise nutzt man Baumwollhandschuhe; Gummihandschuhe gehen aber auch.
Gänseblümchen (Bellis perennis)
„Er liebt mich… Er liebt mich nicht… Er liebt mich… Er liebt mich nicht…“
Ich glaube, dieses Spiel kennen wir alle. Bei Gänseblümchen war es immer besonders langwierig und spannend, wegen der vielen kleinen Blütenblätter.
Gänseblümchen sind Frühblüher und sprießen zurzeit auf allen Wiesen. Sie sind niedlich und oft die ersten Blümchen, die ein Kind pflückt.
Sie schmecken nicht nur im Salat, auf dem Brot oder im Quark, sondern haben auch eine beträchtliche Heilwirkung.
Diese Heilkraut wächst das ganze Jahr über und kann somit immer geerntet werden. Den höchsten Wirkstoffgehalt hat es um Mittsommer.
Anwendung finden diese Blümchen vor allem bei Hautkrankheiten wie Akne, Furunkel, Ekzeme und Geschwüre. Aber auch bei Verrenkungen, Blutergüssen, Insektenstichen und sogar Husten kann es eingesetzt werden.
Die Darreichungsformen sind die üblichen:
1.) Tee
2.) Umschläge
3.) Kataplasma (Breiumschlag)
4.) Tinktur
WICHTIG:
Wenn ihr das Kraut sammeln wollt, dann achtet bitte darauf, dass es NICHT in der Nähe der Straße, von chemisch behandelten Achern oder ähnlichem wächst.
Spitzwegerich (Plantago lanceolata)
Noch ein tolles Kraut aus der Nachbarschaft ist der Spitzwegerich.
Ab April/Mai sprießt er auf den Wiesen und an den Wegrändern. Er ist hübsch anzusehen und hat tolle Heilwirkungen.
So kann er vor allem bei Atemwegserkrankungen und Mund-/Rachenschleimhautentzündungen eingesetzt werden. Aber auch bei Hautverletzungen kann das Heilkraut Abhilfe schaffen.
Als Erste-Hilfe auf Wanderungen beispielsweise kann er bei Insektenstichen und kleineren Schürfwunden verwendet werden. (Hierzu einfach das zerquetschte Wegerich-Blatt auf die betroffene Stelle legen und mit Grashalmen fixieren.)
Die Darreichungsformen sind auch hier im Grunde die üblichen. Hauptsächlich werden allerdings nur Tee, Sirup und Frischpflanzenpresssaft aus diesem Kraut hergestellt.
Der Spitzwegerich ist nicht so vielseitig, wie so manch anderes Kraut. Dennoch ist er eine tolle Heilpflanze, die insbesondere bei Husten wirklich sehr gut hilft.
WISSENSWERT:
Neben dem SPITZwegerich gibt es auch noch den BREITwegerich. Dieser hat ähnliche Wirkungsweisen wie sein „Bruder“, ist aber nicht ganz so stark.
WICHTIG:
Wenn ihr das Kraut sammeln wollt, dann achtet bitte darauf, dass es NICHT in der Nähe der Straße, von chemisch behandelten Achern oder ähnlichem wächst.
Schafgarbe (Achillea millefolium)
Ebenso, wie der Spitzwegerich, wächst auch die Schafgarbe ab Mai fast überall auf den Wiesen und am Wegrand. Sie wird auch „Soldatenkraut“ genannt, weil sie schon sehr lange für ihre blutungsstillende Wirkung bekannt ist und daher oft ein überlebenswichtiges Kraut für Soldaten im Krieg war.
Außerdem hilft sie bei Störungen des Magen-Darm-Traktes, wie Appetitlosigkeit oder Gallenstau. Sie ist auch ein „Leberkraut“, d. h. sie schützt die Leber. Ein „Leberwickel“ wird beispielsweise mit Schafgarbentee gemacht.
Des Weiteren kann dieses Heilkraut auch bei Menstruationsbeschwerden oder Unterleibskrämpfen eingesetzt werden, weshalb es auch zu den „Frauenkräutern“ gehört.
Die Darreichungsformen sind bei dieser Pflanze wieder zahlreich:
1.) Frischpflanzenpresssaft
2.) Sirup
3.) Tinktur
4.) Tee
5.) Kompresse/Wickel
6.) Voll-/Sitzbad
7.) Wein
WISSENSWERT:
Der deutsche Name kam zustande, da kranke Schafe vermehrt diese Pflanze fressen. Der Wortteil „garve“ ist althochdeutsch und bedeutet „Gesundmacher“.
WICHTIG:
Wenn ihr das Kraut sammeln wollt, dann achtet bitte darauf, dass es NICHT in der Nähe der Straße, von chemisch behandelten Achern oder ähnlichem wächst.